Rock and Roll Lexikon

A

ATKINS, CHET

war ein einflussreicher amerikanischer Gitarrist und Produzent. Der Sohn eines Musiklehrers war schon in den 1940er Jahren sowohl in Radio-Shows als auch auf Country- und Western-Platten zu hören, ehe er nach Nashville ging, um Studiomusiker und Produzent bei der Plattenfirma RCA zu werden. Bei RCA arbeitete er unter anderem für Elvis Presley und Johnny Cash, entwickelte seinen sparsamen Gitarren-Stil und wurde Chef-Produzent. Als solcher produzierte er ungezählte Platten. Seinen größten Solo-Erfolg hatte er 1965 mit dem Song Yakety Axe.

B

BEACH BOYS

hiess eine amerikanische Pop-Rock-Band, die erfolgreich auf der Surf-Musikwelle schwamm. 1961 erschien die erste Single, Surfin. Nach dem Wechsel der Plattenfirma erreichte die Gruppe mit Surfin Safari oberste Chartnotierungen. In den darauffolgenden Jahren gelang mit Hits wie Surfin USA, Little Deuce Coup (beide 1963), I Get Around (1964) und Good Vibrations (1966) der internationale Durchbruch.

BEAT MUSIC

ist die Bezeichnung für die um 1960 aufgekommene, zunächst vorwiegend amateurhafte Musizierpraxis von Jugendlichen im westenglischen Industriegebiet von Liverpool und Umgebung am Mersey River (deshalb auch Mersey Beat). Durch den internationalen Erfolg der Beatles hatte der Beat großen Einfluß auf die Jugendkultur und die populäre Musik der 60er Jahre. Neben dem Rhythm and Blues stellte vor allem der Rock'n'Roll den musikalischen Anknüpfungspunkt für die Songs der englischen Bands dar. Verwendet wurden zumeist zwei elektrische Gitarren, elektrische Baßgitarre, Schlagzeug und eine oder mehrere Gesangsstimmen, wobei die starke Betonung der Grundschläge (daher: Beat) eine motorisch-treibende Rhythmik hervorruft.

BERRY, CHUCK

ist der erfolgreichste schwarze Rock’n’Roller. Er hatte mit Maybelline (1955) einen ersten Charterfolg, an den sich Bestseller wie Roll over Beethoven (1956), Sweet Little Sixteen und Johnny B. Goode anschlossen. Er faszinierte das Publikum durch seine meist einfachen, gitarren- und gesangsorientierten Kompositionen, beeinflußte aber auch eine ganze Generation von Musikern, so etwa die Beatles, die Rolling Stones und die Yardbirds. Seinen größten Erfolg hatte er 1972 mit My Ding-A-Ling.

BLUES

bezeichnet die aus der afroamerikanischen Musikpraxis hervorgegangene, heute noch populärste Musikform, die in der Entwicklung des Jazz und Rap eine maßgebliche Rolle spielt. Der einstimmig vorgetragenen, vokalen Form des Blues liegt eine Stegreifdichtung in Strophenform zugrunde. Die Melodie wird mit Hilfe standardisierter Modelle gestaltet, die vor allem Übernahmen epischer Formen afrikanischer Volksmusik sind. Sämtliche Begebenheiten des täglichen Lebens werden in dieser Poesie reflektiert und haben in der Regel moralisierenden Charakter.

BOOGIE-WOOGIE

ist eine mitreßende Klaviermusik, die zu Anfang des 20. Jh. aus dem Barrelhouse-Piano in den ländlichen Gebieten des Südens und Südwestens der USA entstand. Seine charakteristische Ausprägung erfuhr der Boogie in den 1920er Jahren, vorwiegend auf den »House-rent Parties« (Feste, die zur Aufbringung der Miete veranstaltet wurden) der nördlichen Großstädte. Musikalisch liegt dem in raschem Tempo vorgetragenen Boogie die sogenannte Bluesformel zugrunde, die in der linken Hand durch eine durchgehende, ständig wiederholte Baßfigur realisiert und in der rechten Hand in Offbeat-Phrasierung fortlaufend variiert wird. Zu den bekanntesten Pianisten zählen Cow Cow Davenport, Cripple Clarence Lofton, Jimmy Yancey, Albert Ammons, Pete Johnson und Meade Lux Lewis.

BOONE, PAT

hatte ab 1951 seine ersten Erfolge als Sänger bei verschiedenen Amateurwettbewerben. Es folgte ein Engagement bei einem bekannten Rundfunksender und 1954 seine Entdeckung durch Albert Godfrey, der Boone in der Finalveranstaltung der „Ted Mack TV Amateur Hour“ in New York sah. Seine ersten Plattenaufnahmen waren Coverversionen von Titeln unbekannter farbiger Musiker. Diese Aufnahmen von Boone und beispielsweise auch die von Elvis Presley waren weitaus erfolgreicher als die Originalversionen. Im Februar 1955 wurde in Chicago mit Two Hearts, Two Kisses die erste Schallplatte aufgenommen, die auf Anhieb in den Charts unter den Top Ten platziert war. Mit der Coverversion von Fats Dominos Ain't That a Shame, seinem ersten Millionenseller, begann Pat Boones Schallplattenkarriere. In den 1950ern wurde er als Teenager-Idol nur von Elvis Presley übertroffen, als dessen musikalischer Gegenpol er galt, und wie Presley startete er eine zweite Karriere als Filmschauspieler.

C

CASH, JOHNNY

wuchs in ärmlichen Verhältnissen als Sohn rechtloser Wanderarbeiter auf, war als GI einige Zeit in der Bundesrepublik stationiert und ließ sich 1954 in Memphis nieder. Dort gründete er eine eigene Band und erhielt einen ersten Plattenvertrag bei der Firma Sun-Records, die auch Elvis Presley verpflichtet hatte. Hier veröffentlichte er 1956 seinen Hit I Walk the Line. Sein größter Erfolg war die LP Johnny Cash at San Quentin (1969), ein Live-Mitschnitt aus dem San-Quentin-Gefängnis in Kalifornien. In seinen Texten befaßte sich der Cherkosen-Abkömmling häufig mit entrechteten Indianern, Hippies oder inhaftierten Kriminellen.

CHECKER, CHUBBY

(eigentlich Ernest Evans) gründete im Alter von elf Jahren seine erste Musikband. Gelernt hatte er Geflügelfleischverkäufer. Entdeckt wurde er auf dem Wochenmarkt, als er Hühner verkaufte und nebenbei seine Lieder sang. 1959 unterschrieb der junge Ernest einen Plattenvertrag und bekam den Künstlernamen „Chubby Checker“ (chubby=mollig, rundlich) verpasst. Gleich seine erste Single „The Class“ war ein kleinerer Hit, einige missglückte Aufnahmen später, coverte er die B-Seite der Hank Ballard and the Midnighters-Single „The Twist“. Der Song wurde ein Riesenhit: im Jahre 1960 stieg er bis auf Platz Eins und hielt sich ein Vierteljahr in den Charts; der dazugehörige Tanz wurde ebenso populär.

COCHRAN, EDDIE

begann zunächst Anfang der 1950er Jahre Country- bzw. Rockabilly-Musik zu spielen. 1956 veröffentlichte er seine Debüt-Single Skinny Jim/Half Love; einigen Erfolg hatte er im Jahr darauf mit Sittin in the Balcony. Zum Star und Teenager-Idol einer ganzen Generation ließ ihn der Summertime Blues (1958) werden. Begeisterung entfachten seine einprägsame Stimme und ebenso einfache wie wirkungsvolle Gitarrenriffs. Seine Karriere wurde dann jedoch durch einen Autounfall, an dessen Folgen er starb, jäh beendet. Posthum erschien der Song Three Steps to Heaven, der ebenfalls zum Top 10-Hit wurde.

COUNTRY- AND WESTERN

nennt man die in den 1920er und 30er Jahren in den USA entstandene Art der Unterhaltungsmusik. Sie knüpft an die keltische oder osteuropäische Folklore der weißen Südstaaten-Siedler an, aber auch an den Blues. Die Mischformen hatten lokal unterschiedliche Ausprägungen und assimilierten zudem franko- und hispanoamerikanische Elemente. Als erster Star der Country music gilt der Sänger und ehemalige Eisenbahner Jimmie Rogers (1897-1933). Mit der Kommerzialisierung und unter dem Einfluß von Hollywood folgte eine Romantisierung der ländlichen Alltagsthemen. Der singende Cowboy Gene Autrey verklärte zum Beispiel eine vorindustrielle, idyllische Welt voller Helden und Abenteuer. Es gab aber immer auch Musiker und Sänger, die sich dennoch als Sprachrohr des kleinen (unzufriedenen) Mannes verstanden und die nicht nur klischeehaft rebellierten: Hank Williams und Roy Acuff, später Johnny Cash, dann die Country-Outlaws der 1970er Jahre wie Kris Kristofferson, Willie Nelson oder Waylon Jennings.

D

DOMINO, FATS

ist ein erfolgreicher Sänger, Pianist und Songschreiber. Er startete seine Karriere in den 1940er Jahren als Pianist im Orchester des Trompeters Dave Bartholomew. Sein Song The Fat Man (1949) gelangte auf Anhieb in die Charts, und auch der Folgehit Goin Home wurde ein Bestseller. Mit seinen meist einfachen Liedern und seinen hämmerden Piano-Riffs war er bis in die 60er Jahre hinein weltweit in den Hitparaden vertreten. Zu seinen berühmtesten Single-Erfolgen zählen Blueberry Hill (1956), Blue Monday (1957) und I' m Walkin (1957).

E

EDDY, DUANE

begann im Alter von fünf Jahren Gitarre zu spielen. Seit Ende der 1950er-Jahre ist er für seine Instrumentalmusik auf der E-Gitarre bekannt, mit der er für einige Jahre regelmäßig in den US-amerikanischen und europäischen Charts vertreten war. Eddys Markenzeichen ist sein als „Twang“ bezeichneter Gitarrenklang. Sein bekanntestes Stück ist eine Version des Stücks Peter Gunn. Zu Duane Eddys berühmtesten Instrumental-Titeln gehören Peter Gunn (1958), Rebel Rouser (1958), Forty Miles of Bad Road (1959), Dance with the Guitar Man (1962) und Boss Guitar (1962). Die 1960er-Jahre waren mit etwa zwanzig veröffentlichten Alben Eddys produktivste Schaffensperiode. Insgesamt wurden von seinen Aufnahmen weltweit mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft – damit ist er der erfolgreichste Rock ‘n’ Roll-Instrumentalmusiker aller Zeiten.

F

FREED, ALAN

war ein amerikanischer Discjockey und einer der ersten, der in seiner Sendung Rhythm and Blues spielte. Allerdings steht er auch für die Bestechlichkeit in diesem Teil der Musikindustrie, da er sich wie viele andere DJs zu dieser Zeit für die Präsentation von Musikstücken bezahlen ließ, wofür er rechtskräftig verurteilt wurde. In den 1950er Jahren förderte er den Rock’n’Roll. Eine spätere Klage wegen Steuerhinterziehung führte zu seinem finanziellen Ruin. Er starb 1965 an den Folgen jahrelangen Alkoholmissbrauchs.

G

GRETSCH

ist ein Unternehmen, das akustische und elektrische Gitarren herstellt. Den wichtigsten Beitrag zum Erfolg leistete Chet Atkins. Es gelang Gretsch, tausende Gitarren mit seinem Namenszug auf dem Schlagbrett abzusetzen, insbesondere die Modelle Country Gentleman (benannt nach einem erfolgreichen Stück von Chet Atkins) und Tennessean, eine preisgünstigere Version der Country Gentleman. Elvis Presleys Gitarrist Scotty Moore bevorzugte Gitarren von Gibson, doch Presley selbst spielte auf der Bühne und im Tonstudio eine Variante der Gretsch Country Gentleman, die unter dem Namen Gretsch Country Classic später vertrieben wurde.

H

HALEY, BILL

gilt als einer der Begründer des Rock’n’Roll, obwohl er vom Alter und Aussehen her keineswegs ein Jugendidol war. Er war zunächst Musik-Manager einer Radiostation, gehörte einige Zeit der Country-Band The Saddlemen an und gründete 1954 die Band The Comets, mit der er die meisten seiner zahlreichen Hits aufnahm. Den sensationellsten Erfolg errang er mit Rock Around The Clock (Leitmotiv des Rockerfilms Blackboard Jungle, deutsch Die Saat der Gewalt), mit dem sich die Jugendlichen der 1950er Jahre in Amerika wie in Europa identifizierten.

HEROLD, TED

war nach Peter Kraus der zweite erfolgreiche Rock’n’Roll-Sänger in Deutschland. Seine erste Single enthielt zwei deutschsprachige Coverversionen von Elvis-Presley-Hits. Herold, der als rebellischer Rock'n'Roller galt, bekam zwar bis Mitte der sechziger Jahre von den ausschließlich öffentlichen-rechtlichen Fernsehsendern keine Engagements, trat zwischen 1959 und 1963 mit seinen Titeln aber in zahlreichen Musikfilmen auf. Bis auf zwei im Jahre 1969 bei der Plattenfirma Metronome veröffentlichten Singles wurde es dann still um ihn. Ende der 90er Jahre, seine alten Singles waren inzwischen komplett auf CD wieder veröffentlicht, konnte Ted Herold die alten Zeiten erneut wieder aufleben lassen und war Gast bei zahlreichen Fernsehsendungen und Gala-Veranstaltungen.

HOLLY, BUDDY

versuchte ab 1956 zunächst, mit Buddy Holly & The Three Tunes in Nashville Fuß zu fassen. Später wechselte er jedoch zu der Rock 'n' Roll-Gruppe The Crickets, die mit That'll Be The Day (1957) einen Spitzenreiter in den US-Charts plazieren konnte. Auch als Solist kam Holly mit fast identischem Musikmaterial, bisweilen auch sentimentaleren Balladen, zum Erfolg. Nach seinem Tod bei einem Flugzeugabsturz veröffentlichte seine Plattenfirma von ihm zu Lebzeiten aufgenommenes, unvollendetes Material.

J

JACKSON, WANDA

lernte als Kind Gitarre und Klavier spielen. Mit 15 Jahren gewann sie einen Talentwettbewerb und durfte täglich eine Viertelstunde in einem lokalen Radiosender auftreten. Ab 1955 ging sie auf Tournee, unter anderem mit Elvis Presley, der ihr riet, von der Countrymusik auf Rockabilly umzusteigen. 1961 heiratete sie und bekam zwei Kinder. Sie war die erste Frau, die wilde Musik wie ihre männlichen Kollegen machte und ihre Songs mit rauer Stimme sang. Für das eher prüde Amerika war sie zu wild und ihre größten Erfolge hatte sie im Ausland. Für ihre Fans im Ausland sang sie unter anderem auch auf Deutsch, Niederländisch und Japanisch. Ihr bekanntester Titel ist Let's Have A Party.

JITTERBUG

(englisch = Zitterwanze) bezeichnet einen in den 30er Jahren entstandenen afroamerikanischen Tanz, der zu verschiedenen Varianten des Swing getanzt wurde. Er übernahm zwar als Grundschritt den Kreuzchassé des Swing, blieb jedoch in seiner akrobatischen Ausführung weitgehend den Tänzern überlassen. Nach 1945 verbreitete er sich unter verschiedenen Namen in Europa und gilt als Vorläufer des Rock’n’Roll.

JORDAN, LOUIS

war ein afroamerikanischer Musiker und begann im Alter von sieben Jahren Saxofon zu spielen. Nach wechselnden Engagements er 1938 seine Band „The Tympany Five“. Das Publikum hatte nach den Entbehrungen und Schrecken des Zweiten Weltkrieges einen unstillbaren Hunger nach leichter Unterhaltung. Für Louis Jordan war dies der Start seiner Karriere. Seine erfolgreichste Zeit waren die Jahre zwischen 1942 und 1950. In diesen acht Jahren erreichte er achtzehn Mal Platz 1 der R&B-Charts. Insgesamt konnten sich seine Titel in diesen Jahren 113 Wochen auf dem Thron der R&B-Hitparade halten.

K

KRAUS, PETER

gilt bis heute als deutscher Elvis, obwohl er das gar nicht sein wollte. Auch durch Filme wurde er zum größten deutschen Rock'n'Roll-Star und Teenageridol der 50er und 60er Jahre. Er hatte Erfolge als Schauspieler, Sänger und Regisseur, kehrte im Alter zu seinen Anfängen zurück und nahm erneut Rock’n’Roll-Songs in deutscher Sprache auf.

L

LEWIS, JERRY LEE

ist das Vorbild für alle Boogie- und Rock’n’Roll-Pianisten. Ekstatisches Hämmern auf dem Klavier brachte ihm den Spitznamen »der Killer« ein. Im Vergleich zu Elvis war Lewis der wahre Rebell. Seine Liveshow führten ebenso wie seine anzüglichen Texte in den 50er Jahren immer wieder zu Saalverwüstungen. Mit Great Balls of Fire (1957), Whole Lotta Shakin' Goin' (1957) und Breathless (1958) gelangen ihm Superhits. Drogenexzesse und familiäre Skandale sorgten dafür, dass der Sänger sich nicht langfristig etablieren konnte. Ende der 60er Jahre hatte er erneut mit Countrysongs größeren Erfolg.

LITTLE RICHARD

wurde mit exzentrischem, mitunter parodistisch anmutenden Bühnen-Entertainment, emotionaler Gesangskunst und überschwenglichen Pianoläufen zu einem der bekanntesten Musiker Ende der 50er Jahre. Titel wie Rip It Up, Long Tall Sally, Keep A-Knockin', Lucille, Tutti Frutti oder Good Golly, Miss Molly gelten als Klassiker des Rock 'n' Roll. Ab Mitte der 60er Jahre erregte Richard mehr Aufsehen durch private Skandale und Drogenprobleme als durch seine Versuche, mit dem Wiederaufbereiten alter Hits im Gespräch zu bleiben.

M

MOORE, SCOTTY

war der Gitarrist von Elvis auf dessen ersten Plattenaufnahmen. Im Sommer 1954 wurde Moore bei Sun-Records von Marion Keisker, einer Sekretärin von Sam Phillips, der junge Sänger Elvis Presley empfohlen. Im Juli 1954 machten Moore und Bill Black die ersten Plattenaufnahmen mit Presley, bei denen unter anderem der Song "That's All Right Mama" entstand. Elvis, Black und Moore gründeten daraufhin zusammen mit dem Schlagzeuger D. J. Fontana die Band "Blue Moon Boys". Moore übernahm vorübergehend das Management von Presley und die "Blue Moon Boys" begannen mit Tourneen durch den Süden der USA. Während der folgenden Jahre wirkte Moore auf vielen Aufnahmen von Presley mit. Sein Gitarrenspiel ist u.a. auf "Good Rockin' Tonight", "Baby Let's Play House", "Heartbreak Hotel", "Mystery Train" und "Too Much" hören. Weiter ist Moore in vielen Fernsehshows und Kinofilmen neben Presley zu sehen. Ähnlich wie Presleys Gesang eine Brücke zwischen dem „weißen“ Country und dem „schwarzen“ Blues schlug, entwickelte Moore einen Gitarrenstil, der den klaren Ton der Countrygitarre mit den gefühlvollen Melodien des Blues und Jazz verband. Dieser Ton, durch Presleys Platten weltweit verbreitet, war stilprägend für Rock’n‘Roll-Musik.

P

PERKINS, CARL

war ein Pionier des Rockabilly. Seine erste Veröffentlichung war Movie Magg, ein Stück, das er bereits im Alter von 14 Jahren komponiert hatte. Die Platte verkaufte sich mäßig, eröffnete ihm aber die Möglichkeit, bei Konzerten von Elvis Presley im Vorprogramm aufzutreten. Der Inhaber von Sun Records glaubte, er könne mit dem richtigen Song aus Perkins einen Rockabilly-Star machen. Dieser Song war Blue Suede Shoes; er wurde im Dezember 1955 aufgenommen und erschien am 1. Januar 1956 auf dem Sun-Label. Es dauerte etwas, aber nach einigen Promotion-Auftritten verkaufte sich die Platte millionenfach. Dann hatte Perkins einen schweren Autounfall, bei dem er einen Schädel- und einen Armbruch erlitt. Statt die Gunst der Stunde für Anschlusserfolge nutzen zu können, musste er die Zeit im Krankenhaus verbringen. Elvis Presley nahm eine eigene erfolgreiche Version von Blue Suede Shoes auf.

PHILLIPS, SAM

ist Gründer des legendären Sun-Plattenstudios, in dem Elvis Karriere begann. Er wuchs zu Zeiten der Wirtschaftsdepression in Alabama auf. Im Oktober 1949 mietete Phillips ein kleines Geschäft, in dem er ein bescheidenes Aufnahmestudio einrichtete. Er förderte in den nächsten Jahren zahlreiche farbige und weisse Künstler und nahm die ersten Singles von Elvis Presley auf.

PRESLEY, ELVIS

lässt auch Jahrzehnte nach seinem Tod noch immer die Kassen klingeln. Er hat wie kaum ein anderer Musiker die Entwicklung der amerikanischen Musik der Nachkriegszeit beeinflußt. Als Kind sang er in Kirchenchören und bei Country Western-Revivals und begann mit 12 Jahren Gitarre zu spielen. Nach der Schulausbildung arbeitete er in verschiedenen Berufen und nahm 1953 zu Privatzwecken seine erste Platte auf. Mit Rundfunkübertragungen seiner ersten Lieder, darunter That's allright Mamma und Blue moon of Kentucky, begann 1954 seine rasche und steile Karriere. Gastspielreisen, Fernsehshows, Schallplatten (bis heute etwa 500 Millionen verkaufte Platten und Kassetten) und seit 1956 auch Spielfilme (u.a. Love Me Tender, Blue Hawai Girls, Girls, Girls) machten ihn vor allem 1956 bis 58 weltweit bekannt. Sein Live-Comeback in Las Vegas 1970 und die Show »Aloha from Hawaii«, die 1973 live über Satellit weltweit ausgestrahlt wurde, waren letzte Höhepunkte seiner Laufbahn.

R

RHYTHM AND BLUES

bezeichnet seit den 1940er Jahren jene Art afroamerikanischer Musik, die als Basis des Rock 'n' Roll die gesamte Populärmusik entscheidend verändert hat. Zu den wichtigsten Spielarten zählt die in Tanzhallen gespielte Big Band-Musik des Swing. Die Vokalensembles des Rhythm and Blues zeigen überwiegend Einflüsse der Gospeltradition (z.B. Gruppen wie The Platters, Drifters oder Orioles).

RICHARD, CLIFF

machte in England als Sänger eine ähnliche Karriere wie Elvis Presley: Vom erfolgreichen Rock'n'Roller wandelte er sich zum Schnulzenheini, sang unter anderem auch Schlager in deutscher Sprache und drehte belanglose Musikfilme. Begleitet von den Shadows, verbuchte er 1959 mit der Beat-Ballade Living Doll den ersten Megahit, Dutzende von Chart-Plazierungen folgten in den nächsten Jahrzehnten.

ROCK AND ROLL

ist neben dem Rockabilly der geschichtlich früheste Abschnitt der Rockmusik. Der Ausdruck wurzelt im schwarzen Slang und bedeutet die Bewegungen sowohl beim Geschlechtsakt wie beim Tanzen. Entwicklungsgeschichtlich bildet der Rock'n'Roll eine kommerzialisierte und für die weißen jugendlichen Massen in den USA bestimmte Abwandlung des rein schwarzen Rhythm and Blues (vor 1950 »Race Music« genannt). Dementsprechend sind seine wichtigen Vertreter in der Regel weiße Musiker wie Bill Haley und Elvis Prtesley.

ROCKABILLY

ist eine der Spielarten des Rock'n'Roll. Sie entstand Mitte der 1950er Jahre, als junge, hauptsächlich weiße Musiker in den amerikanischen Südstaaten den schwarzen Rhythm and Blues auf ihre Art und mit den ihnen vertrauten Instrumenten neu interpretierten. Da der Boom dieser Musik, die zunächst keinen einheitlichen Namen hatte und nicht über die Grenzen der Südstaaten hinausging, versuchten einige Interpreten etwa ab 1956 den ländlichen Unterton dieses Stils abzuschütteln, um auch überregional Erfolg zu haben. Der Begriff Rockabilly setzte sich nur allmählich durch, denn die Assoziation mit Hillbilly (= Landei, Hinterwäldler) betonte das Provinzielle, Ländliche dieser Musik. Auch heute noch gibt es auf der ganzen Welt (vor allem in Europa und Japan) eine kleine Rockabilly-Szene mit Konzerten, regelmäßigen Zusammenkünften, Oldtimer-Treffen oder speziellen Zeitschriften.

S

SHADOWS

heisst eine britische Instrumentalgruppe, die mit Unterbrechungen seit über 50Jahren aktiv ist und vor allem in de1960er Jahren Erfolge zu verzeichnen hatte. 1958 wurde die Band in London unter dem Namen The Drifters als Begleitband für Cliff RIchard gegründet. Auf Druck der amerikanischen Band gleichen Namens benannten sie sich 1959 in The Shadows um. In den 1960ern spielten sie sowohl mit Cliff Richard als auch solo. 1960 hatten sie mit Apache einen großen Erfolg, dem vier weitere Nummer-1-Hits folgten. 2005 schlossen sie mit „The Shadows – The Final Tour“ ihre lange und erfolgreiche Karriere ab.

SURF

(englisch = Wellenreiten). Als Erfinder des (instrumentalen) Surf-Sounds gilt der Gitarrist Dick Dale. Er brachte das schnelle, hart geschlagene Gitarren-Staccato als Merkmal des Surf hervor. Der Stil entstand Ende der 1950er Jahre in Südkalifornien als Transformation von Energie und Geschwindigkeit des Wellenreitens - oder anders gesprochen als Verbindung eines an Jugend und Sport orientierten Lebensgefühls mit Rockmusik. In der Zeit war Instrumental-Rock ein bedeutender Trend, so daß der neue Sound überall in den USA auf fruchtbaren Boden fiel. Zahlreiche Surf-Bands entstanden, auch außerhalb Kaliforniens in durchaus küstenfernen Landstrichen. Für weiteren Auftrieb sorgten dann Vokal-Gruppen wie die Beach Boys, die das paradiesische Leben am Strand besangen. Der Gitarrensound beeinflußte viele Gitarristen und ist bis heute als Stilmittel aktuell.

SWING

bezeichnet einen Abschnitt der Jazzgeschichte (1930er Jahre), der zwischen dem frühen, folkloristischen und dem neueren, zur Artifizierung drängenden Jazz vermittelt. Die durch die Binnenwanderung der afroamerikanischen Bevölkerung bedingte Verpflanzung des Jazz in die industriellen Ballungszentren im Norden der USA und seine davon unabhängige überregionale, ja internationale Verbreitung zwangen zur Anpassung an die Existenzbedingungen von Musik in der euroamerikanisch beherrschten Industriekultur. Der damit verbundene dialektische Austausch von »schwarz« und »weiß« führte zu einer Art »zweiter Akkulturation«, das heisst zur völligen Verschmelzung der afro-euro-amerikanischen Traditionsstränge im Akkulturationsprozeß, allerdings mit starken Tendenzen zur Trivialisierung. Waren die späten 20er Jahre Vorgeschichte, so dominierte das Neue seit 1930. Diese seit 1935 »Swing« genannte Musik wurde um eben die gleiche Zeit zu einem Massenphänomen und erregte dabei auch das Interesse des offiziellen Musiklebens.

T

TURNER, BIG JOE

war ein stimmgewaltiger Blues- und Boogie-Sänger. Schon mit vierzehn Jahren nahm er mit seinem Gesang Einfluss auf die lokale Jazz-Szene in seinem Geburtsort. Mitte der 30er-Jahre lernte er den amerikanischen Boogie-Woogie Pianisten Pete Johnson kennen, mit dem er von da an gemeinsam auftrat. 1938 nahm er zusammen mit Johnson seine ersten Songs auf. In den 1950er Jahren hatte er mehrere größere und kleinere Single-Hits, darunter Shake, Rattle & Roll, Flip, Flop & Fly und Corrine, Corrina. In den 60er- und 70er-Jahren tourte Turner die meiste Zeit. Er spielte auch mit Axel Zwingenberger, mit dem er zudem zwei höchst erfolgreiche Alben aufnahm. Am 24. November 1985 starb Big Joe Turner in Kalifornien an Nierenversagen.

TWIST

war ein Modetanz der frühen 60er Jahre. Bei gelöster Tanzhaltung und leicht nach vorn gebeugtem Oberkörper werden Füße, Knie und Hüfte abwechselnd nach links und rechts gedreht (engl.: twisted), während die Arme eine Gegenbewegung in die jeweils andere Richtung ausführen. Der Twist kennt keinen Platzwechsel. Als besondere Figur gilt der sog. Korkenzieher (mit geschlossenen Knien wird nach links und rechts eine Kniebeuge ausgeführt). Geübte Tänzer neigen überdies ihren Rücken auf den Boden, ohne die Bewegungen zu unterbrechen.

V

VENTURES

nennt sich eine US-amerikanische Band, die siet 1959 Instrumentals spielt. Die Ventures sind seit ihrer Gründung kontinuierlich aktiv, allerdings hatten sie ihre größten Erfolge in den 1960er-Jahren. Die Stücke Pipeline, Walk—Don’t Run, Perfidia, Lullaby of the Leaves oder Apache gehören zu ihren größten Hits. In den USA landeten fast vierzig ihrer Alben in den Charts und siebzehn davon schafften es in die Top 40. Mit über 110 Millionen verkauften Alben zählen die Ventures zu den erfolgreichsten Bands überhaupt. Besonderen Erfolg hatten sie in Japan. Unter dem Einfluss des Chet Atkins-Albums Hi Fi in Focus veröffentlichten die Ventures 1960 die Single Walk—Don’t Run auf ihrem eigenen Label. Die Single wurde ein lokaler Erfolg, nachdem das Stück regelmäßig vor den Nachrichten einer Radiostation gespielt worden war.

VINCENT, GENE

hatte 1956 mit den Blue Caps seine erste Band gegründet. Durch Zufall wurde im selben Jahr sein Be-Bop-A-Lula ein großer Hit. Vincent . hatte als A-Seite seiner Single Woman Love bestimmt. Doch einem Discjockey in Baltimore gefiel die B-Seite besser und so spielte er sie ständig. Mit dem Titel trat Vincent in allen wichtigen Fernsehsendungen auf und übernahm sogar eine Rolle in dem Mansfield-Film That Girl Can't Help It. Dabei waren Bühnenshows eine Qual für den Sänger, da er seit seiner Zeit bei der Armee an einer schweren Beinverletzung litt und sich kaum bewegen konnte.

Z

ZWINGENBERGER, AXEL

aus Hamburg ist der beste und erfolgreichste deutsche Boogie-PInaist. Er hatte zwar schon ab seinem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht, kam aber erst mit 17 Jahren mit dem Boogie-Woogie in Berührung. Von da an stand diese Stilrichtung im Mittelpunkt seiner musikalischen Arbeit. 1975 erhielt er seinen ersten Plattenvertrag. Im Laufe der Jahre trat er zusammen mit einer Reihe bekannter US-amerikanischer Jazzmusiker auf. Das Boogie Woogie-Spiel ist heutzutage eine Domäne junger europäischer Spezialisten, zu deren Spitze Axel Zwingenberger gehört. Die Spielweise ist sehr athletisch und Kräfte fordernd, der Pianist muss zum schnellen Boogie Woogie hoch trainiert sein, um sich nicht zu verletzen oder seinen Fingern zu viel zuzumuten. Zwingenberger gilt in seiner Präzision, Geschwindigkeit und Interpretationskraft unter Kennern als Phänomen. Zudem bereichert er den Boogie Woogie mit eigenen Kompositionen. 2007 wurde Zwingenberger in den USA in die Boogie Woogie Hall Of Fame aufgenommen. Im Frühjahr 2009 - vermittelt durch den Pianisten Ben Waters - erneuerte Zwingenberger seine musikalische Zusammenarbeit mit Charlie Watts; seitdem spielen sie gemeinsame Konzerte mit dem Bassisten Dave Green unter dem Titel „The ABC&D of Boogie Woogie“.